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Küstenvielfalt entdecken – Lebensräume rund um die Wohlenberger Wiek

Die Wohlenberger Wiek ist mehr als nur ein idyllischer Ort zum Baden – sie ist ein lebendiges Mosaik aus einzigartigen Küstenlebensräumen. Zwischen sanften Dünen, salzigen Wiesen und dynamischen Stränden entfaltet sich eine faszinierende Naturkulisse, die nicht nur Erholung bietet, sondern auch ökologisch von großer Bedeutung ist.

 

Ob windgeformte Dünen mit Strandhafer, salzliebende Pflanzen wie Queller und Strandflieder in den Salzwiesen oder die sich ständig wandelnden Spülsäume am Strand – jeder Lebensraum erzählt seine eigene Geschichte vom Zusammenspiel von Wind, Wasser und Zeit. Auch die Steilküsten in der Umgebung, wenn auch weniger ausgeprägt als auf Rügen, zeigen eindrucksvoll, wie Naturkräfte die Landschaft formen und Lebensräume schaffen.

 

Diese Vielfalt macht die Wohlenberger Wiek zu einem idealen Ausgangspunkt, um die Küstennatur Mecklenburg-Vorpommerns zu erkunden – achtsam, neugierig und mit Respekt vor ihrer Zerbrechlichkeit.

Küstenlebensräume im Überblick
Saisonales Beobachtungsfenster Vogelarten in der Wohlenberger Wiek, Ostsee

Im Rahmen des Natura 2000 Umweltschutzprogramms wurde u.a. auch der Küstenabschnitt zwischen der Wohlenberger Wiek und Wismar unter die Lupe genommen. Dabei entstand auch die Empfehlung eines Küstenwanderweges*, der die verschiedenen Küstenlebensräume sichtbar macht und behandelt.

Auf der folgenden Karte finden Sie die verschiedenen Abschnitte und Beschreibungen.

  • Gesamtlänge: 15km

  • Dauer: mit Pausen 5-6 Stunden

  • Gelände: überwiegend am Strand auf Sand, Kies und Schlick, teilweise befestigte Uferwege

  • stabiles, möglichst wasserdichtes Schuhwerk empfohlen

  • im Sommer mit verschiedenen Bademöglichkeiten

  • Einkehrmöglichkeiten ca. alle 3-5km

 

Wanderstart an der Wohlenberger Wiek Wer die Natur liebt und mit offenen Augen losziehen möchte, beginnt seine Wanderung am Strand der Wohlenberger Wiek. Hier öffnet sich ein weiter Blick über das sanfte Halbrund der Bucht – ein Ort, der Ruhe ausstrahlt und gleichzeitig zum Aufbruch einlädt. Im Sommer lockt das klare Wasser zahlreiche Badegäste, doch im Frühjahr gehört die flache Küstenzone den Enten und Singschwänen. Ein idealer Ausgangspunkt für alle, die Meerluft, Vogelstimmen und Bewegung verbinden möchten.

 

Wegpunkt 2: Glänzende Kieselstreifen am Ostufer Am östlichen Ufer der Wohlenberger Wiek begleitet dich ein schimmernder Kiesstrand, dessen Steine durch Wellen und Spritzwasser stets feucht glänzen. Die bunten Kiesel regen zum Sammeln an – ein Spiel der Farben direkt unter den Füßen. Zwischen den Steinen tummelt sich überraschend viel Leben: winzige Flohkrebse mit Sprungbeinen huschen flink umher und zeigen, wie lebendig selbst die kleinsten Winkel der Küste sind.

Ein Ort zum Staunen, Innehalten und Weiterwandern – mit dem Gefühl, mitten in der Natur zu sein.

 

Wegpunkt 3: Das ockerfarbene Kliff Nach etwa drei Kilometern hebt sich die Küstenlinie eindrucksvoll: Ein bis zu zehn Meter hohes Kliff aus Lehm, Sand und Ton ragt empor – einer der schönsten Abschnitte der mecklenburgischen Küste. Die Steilwand erzählt von der Kraft des Meeres, das mit jeder Welle an ihr nagt. Große Erdpeiler sind bereits abgestürzt, und tiefe Höhlen wurden vom Wasser in die Wand gegraben.

Das feuchte Erdreich leuchtet in warmen Tönen – braungelb, blaugrau, rostfarben – und verleiht dem Ort eine fast malerische Atmosphäre. In den Löchern der Steilwand nisten im Frühjahr und Sommer Uferschwalben, die mit ihren kleinen Höhlen das Kliff beleben und ihm eine besondere Dynamik verleihen.

Ein Ort zum Staunen – wild, lebendig und voller natürlicher Schönheit.

 

Wegpunkt 4: Einblicke in den Boden Am Ausgang der Wohlenberger Wiek öffnet sich ein stiller Abschnitt, an dem sich das Landschaftsbild wandelt. Ein kleines Kiefernwäldchen, eingebettet zwischen Buchen, kündigt es schon von Weitem an: Hier liegt Sand im Boden. Die sanft abfallende Halde aus nachrutschendem Sediment verrät die geologischen Besonderheiten dieses Küstenabschnitts.

In den festen Mergel – einem Ton-Lehm-Gemisch – ist eine Sandlinse eingebettet, auf der die Saat der alten Kiefern versucht, Wurzeln zu schlagen. Ein stiller Ort, der zeigt, wie eng Vegetation und Boden miteinander verwoben sind – und wie sich die Landschaft auch unter unseren Füßen stetig verändert.

 

Wegpunkt 5: Watt’n Wind Am Übergang zur Eggers Wiek verändert sich die Küste: Große Findlinge säumen den Strand, dazwischen breiten sich windgeprägte Wattflächen aus. Bei bestimmten Wetterlagen fallen sie trocken und bieten Watvögeln wie Brachvögeln und Strandläufern einen reichen Futterplatz.

Zwischen den Steinen wachsen salztolerante Pflanzen – und mit etwas Glück zeigt sich sogar der seltene, weiß blühende Meerkohl.

 

Wegpunkt 6: Vergangene Ufer An diesem Strandabschnitt begegnet man den Spuren einer anderen Zeit: Fossile Kliffs zeugen von einer Küstenlinie, die einst direkt dem Meer ausgesetzt war. Als der Wasserspiegel der Ostsee sank, lagerten Strömungen Sand an und schützten die alten Steilufer vor weiterer Erosion.

Heute sind diese Kliffs von Gebüsch überwachsen – stille Zeugen der geologischen Geschichte, eingebettet in die lebendige Landschaft von heute.

 

Wegpunkt 7: Marina Hohen Wieschendorf – Zeit zum Verweilen Nach den stillen Küstenabschnitten öffnet sich die Landschaft zu einem lebendigen Treffpunkt: Die Marina Hohen Wieschendorf lädt mit ihrem kleinen Yacht-Hafen, einem gemütlichen Café und einem Restaurant zum Pausieren ein. Wer mag, kann den Blick über die Boote schweifen lassen oder sich bei einer Tasse Kaffee vom Wind erzählen lassen, was er heute schon gesehen hat.

Gleich nebenan erstreckt sich ein gepflegter Golfplatz – ein Kontrast zur wilden Küste, aber auch ein Zeichen dafür, wie vielfältig sich die Region entwickelt hat.

 

Wegpunkt 8: Salzwiesen – Landwirtschaft im Dienst der Natur Der Weg führt nun entlang eingekoppelter Salzwiesen, die sich zwischen Land und Meer ausbreiten. Je nach Jahreszeit – ob durch das hohe Frühjahrsgrundwasser oder die Herbststürme – entstehen flache, leicht überflutete Flächen, die eine besondere ökologische Bedeutung haben.

Durch Mahd oder Beweidung bleiben die Wiesen kurzrasig und bieten wertvolle Nahrungs- und Brutplätze für Wiesenvögel wie Rotschenkel, Kiebitz und den seltenen Säbelschnäbler. Ein Ort, an dem Natur und nachhaltige Nutzung Hand in Hand gehen – lebendig, vielfältig und voller Vogelstimmen.

 

Wegpunkt 9: Ein Sumpf versandet An dieser Stelle hat sich die Landschaft bereits gewandelt: Wo einst ein Erlensumpfwald dem Einfluss des Meeres trotzte, hat sich inzwischen ein dichter Schilfgürtel ausgebreitet. Eingespülter Sand und versalztes Grundwasser haben die Bäume nach und nach verdrängt.

Was bleibt, ist ein neuer Lebensraum – geprägt von Wind, Wasser und Wandel. Ein stiller Ort, der zeigt, wie sich die Natur stetig verändert und dabei immer wieder neue Formen des Lebens hervorbringt.

 

Wegpunkt 10: Perforiertes Watt Nahe dem Campingplatz Zierow öffnet sich bei Niedrigwasser ein weiter Bereich des Watts. Besonders im Licht des späten Nachmittags treten die wellenförmigen Strukturen im schlammigen Sand deutlich hervor – sogenannte „Ripples“, geformt vom Spiel der Gezeiten und des Windes.

In diesem glitschigen Boden leben zahlreiche Wattwürmer, auch bekannt als Köderwürmer. Sie graben sich durch den Sand, filtern Nährstoffe heraus und hinterlassen ihre typischen kleinen Sandhäufchen – wie winzige Signaturen des Lebens unter der Oberfläche.

Ein Ort, der still wirkt, aber voller Bewegung steckt – wenn man nur genau hinsieht.

 

Wegpunkt 11: Ein Entenschlafplatz Inmitten sanfter Hügel liegt „die Riten“ – ein kleiner See, der sich in den Abendstunden mit Leben füllt. Hunderte Enten verschiedenster Arten versammeln sich auf dem Wasser, um hier die Nacht zu verbringen. Ein stilles Schauspiel, das sich am besten aus der Ferne mit dem Fernglas beobachten lässt.

Im Hintergrund ragen die Schornsteine des Wismarer Hafens auf – ein Kontrast zur friedlichen Wasserfläche, der die Vielfalt der Küstenlandschaft unterstreicht. Wer achtsam durch die Hecke zum Strand hinabsteigt, stört die Vögel nicht und kann den Weg über den Fliemstorfer Huk weiter in Richtung Wismarbucht fortsetzen.

 

Wegpunkt 12: Das Fischerdorf Hoben Ein schmaler Pfad führt vorbei an Wiesen und malerischen Kopfweiden – und öffnet den Blick auf das denkmalgeschützte Fischer- und Bündnerdorf Hoben. Entlang der hügeligen Küste reihen sich große, liebevoll rekonstruierte Häuser mit typischen Reetdächern dicht aneinander.

Ein Ort, der Geschichte atmet und zugleich Ruhe ausstrahlt – perfekt für eine letzte Pause, bevor der Weg sich vielleicht verliert oder in neue Pfade übergeht. Ein kleiner Gang durch den Ort lohnt sich!

 

Wegpunkt 13: Seebad Wendorf – Ankommen mit Aussicht Mit dem Seebad Wendorf ist das Ziel der Wanderung erreicht. Ein letzter Blick von der Seebrücke über die Wismarbucht lohnt sich – besonders, wenn die Frachtschiffe mit dumpfem Dieselklang in den Abend hinausziehen. Die Küste zeigt sich hier noch einmal von ihrer maritimen Seite.

Hinter dem Küstenwald liegt die Bushaltestelle – von hier aus lohnt sich die kurze Fahrt nach Wismar. Wer mag, lässt den Tag am Alten Hafen ausklingen: bei einem Kaffee mit Blick auf die historischen Speicher oder mit einem frischen Fischbrötchen in der Hand, während Möwen ihre Kreise ziehen.

Ein schöner Abschluss für eine Wanderung voller Natur, Geschichte und Küstenwind.

 

 

*aus: "Natur erleben, Naturschutz verstehen - Natura 2000", Das Europäische Naturschutznetz in M-V, mit Wandertouren. Herausgeber: Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern, 2013